Eine Geschichte über Vertrauen und Liebe

Poppy

 
Poppy – Angsthund

Angsthund – Poppys Weg ins neue Leben

Poppy wurde auf der Straße gefunden. Sie war eine von vielen Straßenhunden, die von einer Tierschützerin gefüttert wurden. Einige Anwohner wollten diese Hunde dort nicht, deshalb wurden sie gescheucht und geschlagen.

Irgendwann fiel Poppy auf, weil sie ein viel zu enges Halsband trug. Man versuchte, sie einzufangen, um sie von dem Halsband zu erlösen, aber sie entwischte immer wieder, weil sie panische Angst hatte, erneut geschlagen zu werden. Sie traute den Menschen nicht mehr. Sie wusste nicht mehr, wer ihr Gutes oder Böses wollte.

Von der Tötung in ein neues Leben

Irgendwann rief jemand aus der Nachbarschaft die Hundefänger der Gemeinde. So kam Poppy zusammen mit den anderen Hunden, darunter auch Sandrinha und Pitch, im März 2010 in die Tötung.

Vielleicht gibt es irgendwo auf dieser Welt einen Menschen, der die Geduld und Zeit hat, Poppy zu zeigen, dass das Leben auch schön sein kann. Leider ist die Tötung für Hunde, die mit Menschen sehr schlechte Erfahrungen gemacht haben, die reinste Hölle.

„Vielleicht gibt es irgendwo auf dieser Welt einen Menschen, der die Geduld und Zeit hat, Poppy zu zeigen, dass das Leben auch schön sein kann.“

Gedacht … gesagt … getan!

Hallo, wir sind Jörg und Alina Rodinger. Wir sind sehr hundelieb und haben lange Zeit mit dem Gedanken gespielt, endlich einen Hund zu uns nach Hause zu holen. Wir wollten unbedingt einen Hund aus einem Tierheim aufnehmen, denn gerade diese Hunde haben es verdient, ein warmes, sicheres und liebevolles Zuhause bekommen zu dürfen!

Gedacht … gesagt … getan!

Als wir unsere Poppy auf den Bildern im Internet sahen und ihre traurige Geschichte erfuhren, war uns klar – sie ist es! Natürlich wussten wir, dass es nicht einfach werden würde. Es ist eben kein Hund, der gleich zu uns kommt, kuschelt und schmust, Gassi geht, aus der Hand frisst, folgt und gehorcht. Umso mehr wollten wir Poppy haben – in erster Linie für sie und nicht für uns!

Der Weg von Portugal nach Hause

Wir erfuhren, dass Poppy eine Portugiesin ist. Hm … sollen wir auf einen Flugpaten warten? – dachten wir uns. Oder die kleine Maus selbst holen? Haben wir lange überlegt? – NEIN!

Gedacht … gesagt … getan!

Am 26.01.2013 ist mein Mann nach Lissabon geflogen, um Poppy abzuholen und ihr nicht nur die Tür ihres Zwingers zu öffnen, sondern die ganz große Tür in ein neues Leben!

Am 27.01.2013 habe ich die beiden am Münchner Flughafen empfangen. Poppy war voller Angst und Anspannung, aber ganz ruhig und eher abwesend. Auf dem Weg nach Hause, der etwa zweieinhalb Stunden dauerte, musste sich die kleine Maus zweimal übergeben. Schließlich war sie schon seit zwölf Stunden unterwegs!

Die ersten Tage

Bei uns angekommen, entdeckte sie gleich ihr Bettchen und verkroch sich darin. Das war es dann für den Abend. Wir haben sie in Ruhe gelassen. Ist ja auch verständlich – sie musste erst einmal ankommen! Die Strapazen des Transports hatte sie erstaunlich gut überstanden.

Die ersten Spaziergänge waren schwierig. Sobald man sich Poppy näherte oder die Hand ausstreckte, erwartete sie Schläge und Tritte und flüchtete verzweifelt vor uns. Die Situation musste ganz langsam und ruhig auf sich einwirken lassen.

Ruhe, Geduld und Vertrauen

Wichtig war: dem Hund nicht ständig in die Augen schauen, geradeaus laufen, Schultern nach hinten und Kopf hoch. Keine Töne voller Mitleid. Nur loben, wenn sie sich richtig verhält.

Wir haben die Erfahrung gemacht: Sobald wir auf diese ängstlichen Blicke eingingen, drehte sie durch, zog, drehte sich im Kreis und sprang herum, um sich zu befreien. Wenn wir aber einfach weiter miteinander redeten und geradeaus liefen, merkte sie, dass wir wussten, wo es langgeht.

Das braucht Zeit … Die nehmen wir uns!

Poppy beginnt aufzutauen

Am 30.01.2013 blieb Poppy nach dem Spaziergang plötzlich im Flur stehen und beobachtete uns. Immer wieder kam sie hervor und ging wieder schnell ins Zimmer. Doch bei jedem neuen Herauskommen traute sie sich näher an uns heran.

Das Gefühl, das wir dabei empfanden, ist nicht mit Worten zu beschreiben. Unsere kleine Maus erwacht langsam zum richtigen Leben!

Später stellte Poppy ganz langsam ihre Pfoten auf die Couch und hob ihren Hintern hinterher. Sie lag auf der Couch, uns gegenüber, und schaute uns ganz entspannt an. Wir waren sprachlos.

Kleine Schritte, große Bedeutung

Am 01.02.2013 ging Poppy direkt in unser Schlafzimmer, setzte sich vor das Bett und schaute uns ganz neugierig an. Als Freunde mit einem kleinen Baby zu Besuch kamen, blieb sie entspannt in ihrem Körbchen und schlief sogar während des Besuchs.

Am 02.02.2013 traute sich Alina erstmals, Poppy zu streicheln. Bei ihrem Mann konnte sie sich bereits etwas besser entspannen. Am nächsten Tag gab es den ersten Handkuss: Poppy schleckte genüsslich die mit Leberpastete bestrichene Hand ab.

Und sie ist sogar beim Streicheln eingeschlafen. Eine wunderschöne Erfahrung!

Immer mehr Vertrauen

In den folgenden Wochen machte Poppy immer wieder kleine Fortschritte. Die Leine blieb zunächst eine Herausforderung. Mit einer kurzen, weichen Leine, die am Geschirr befestigt blieb, wurde das Anleinen schließlich einfacher.

Poppy entspannte sich immer mehr. Sie streckte ihren ganzen Körper aus und schlief tief und fest. Ihren Platz auf der Couch mochte sie besonders gerne. Obwohl sie den Menschen noch immer nicht vollständig vertraute, wollte sie offensichtlich ständig in ihrer Nähe sein.

Gekochtes Hühnchen half dabei, ihre Neugier zu wecken. Langsam überwog die Lust auf etwas Leckeres die Angst und Unsicherheit. Immer mehr setzte sie ihre Nase ein und ihre Augen begannen zu leuchten.

Poppy fängt langsam an, Gefallen am Gassi-Gehen zu finden. Sie schnuppert ganz viel und ist sehr neugierig. Das Vertrauen wächst – Schritt für Schritt.

Sie sucht unsere Nähe

Poppy reicht es nicht mehr, einfach auf ihrem Platz auf der Couch bei unseren Füßen zu liegen. Sobald wir uns auf die Couch setzen, macht sie sich zu einer Schlange und kriecht Stück für Stück an der Lehne entlang zu uns hoch.

Wenn sie bei meinem Bauch angekommen ist, legt sie ihren Kopf darauf oder drückt ihn ab und zu in mein Bein. Das ist soooo süß!

April 2013 – Poppy wird zum Familienhund

Wir kuscheln immer mehr! Man kann Poppy sogar schon am Bauch streicheln. Beim Gassi-Gehen macht sie seit Kurzem riesige Sprünge nach vorne, als ob sie jagen würde, und der Schwanz wedelt hin und her.

Mittlerweile empfängt Poppy uns im Flur, wenn wir von der Arbeit nach Hause kommen, und fiepst ganz leise. Auch wenn wir kochen, traut sich Poppy immer näher an die Küche.

Zum ersten Mal kam sie selbstständig ins Kinderzimmer und legte sich neben uns. Die Tochter meines Mannes hat sie sogar gestreichelt und Poppy ist liegen geblieben.

Obwohl Poppy noch so viel Angst vor uns hat, kann sie gleichzeitig nicht weit von uns entfernt sein und folgt uns überall hin.

Ein neues Leben voller Neugier

Poppy geht schon absolut selbstständig im Haus mit, auch die Treppe hinunter. Sie kommt mit in den Waschraum, wartet geduldig und folgt anschließend ins Schlafzimmer.

Sie hat gelernt, dass es in der Küche immer leckere Sachen gibt, und steht direkt hinter uns in der Küche, wenn wir kochen. Auch beim Essen steht sie am Tisch. Sie macht keine Geräusche, wartet nur geduldig, bis etwas herunterfällt.

Mit anderen Hunden möchte Poppy noch nicht viel zu tun haben und macht einen großen Bogen um sie. Sie ist aber nicht aggressiv und hat mittlerweile auch keine totale Panik mehr, wenn sie einen Hund sieht.

Gleichzeitig entdeckt sie immer mehr Dinge für sich: Rennen im Garten, Sonnenbaden auf ihrer Decke, neugieriges Erkunden und sogar erste Wasserspiele.

Aus der verängstigten kleinen Hündin, die einst nicht wusste, ob Menschen ihr Gutes oder Böses wollten, wurde Schritt für Schritt eine neugierige, lebensfrohe Poppy.

Und genau das ist es, was wir uns für jeden Hund wünschen:
ein Leben, in dem Angst irgendwann der Vergangenheit angehört. ❤️